Stern: Gigathlon III
2. August 2010
Ich bin etwas spät daran, mit meinem Eintrag. Aber nichts desto trotz: Mega ist nicht Giga aber immerhin immer noch Mega, will sagen, wir haben die Saison "gerettet" und sind als 18. der Couples in Radolfszell eingelaufen. Eine unmittelbare Vorbereitung darauf war, zumindest mir, schlicht unmöglich. Zu intensiv beanspruchten mich die Aufbauarbeiten für das Musiktheaterspektakel "Die Lieder des Wassers" in Rorschach. So wundert es mich im Nachhinein kaum, dass es ein "huere Gtschtürm" wurde, bis endlich all mein Material zusammengeklaubt und in Sabines Auto verstaut war. Die Bikeschuhe mussten wir am Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe in Teufen holen! Gut, war die Nacht, feuerwerkslärmbedingt sowieso nicht wirklich zum Schlafen geeignet, so dass es auf eine Viertelstunde nicht mehr wirklich ankam. Einmal in Radolfszell eingecheckt und in der Wechselzone unser Plätzli eingerichtet, konnte es dann also losgehen.
Meine Schwimmerei, na ja. Ich hatte das Gefühl, die 2 schwimmfreien Wochen hätten mich mindestens 10 Minuten zurück geworfen! Sabine startete dann jedoch unsere Aufholjagd mit einem famosen 12. Strecken/Kategorierang und in dieser Preisklasse arbeiteten wir uns nach vorne. Mein 13. Rennvelo- und 12. Bikerang und Sabines famose Laufleistung auf Rang 14 bringen uns schliesslich auf unseren Schlussrang. Dabei habe ich doch immer gehört, sie könne nicht rennen und mit der Hitze habe sie Probleme! Tiefstapeleien?
20. Juli 2010
Bis 2010 bin ich jeweils mit einem Hochgefühl vom Gigathlon zurückgekehrt. Bis der Endorphinhaushalt jeweils wieder im Gleichgewicht war, dauerte es nahezu einen Monat. Zuerst Rausch, dann Kater bzw. "Aff", sprich Entzug. Das war hart. Dass der "Aff" in diesem Jahr ausbleibt ist ja noch einigermassen egal. Aber....
Die körperliche Vorbereitung konnten wir auch nicht in irgend ein zählbares Resultat umsetzen. Das holen wir jedoch jetzt - kurz entschlossen - nach. Am 1. August werden wir in Radolfszell am Start des Megathlon stehen und versuchen, wenigstens hier zu finishen! Zwar nur Mega, nicht Giga, zwar nur einen guten halben, nicht zwei Tage, zwar nicht mit Aussichten auf das Alpenpanorama, dafür auf den Alpstein, aber immerhin.
Näheres unter www.bodensee-megathlon.de. Man vergleiche auch die Homepages von Mega- und Gigathlon!
14. Juli 2010
Wenn ich bis heute unseren Supporter Ueli nur immer so nebenbei erwähnte, versuche ich seine Leistung mit dem heutigen Beitrag einmal ins richtige Licht zu rücken: Und zwar 1. Ohne Supporter (oder in diesem Jahr 2) schaffst du den Gigathlon als Couple oder Single nicht. 2. Hat er eine ziemlich undankbare Rolle, backstage, und kennt eigentlich nur zwei Betriebszustände: Vollgas und Vollpause. 3. Gehört er zwar zum Team, kann aber weder einen Finisherpreis abholen noch eine Erwähnung in der Rangliste in Betracht ziehen.
Dabei: Versagt der Supporter, versagt das Team! Bei uns war ja ich es, der "versagt" hat - Glück für den Supporter ;-). Aber genau in dieser Situation muss der Supporter ruhig bleiben, einen angschlagenen Athleten aufmuntern oder auf den Boden der Realität zurück befördern. Und genau das hat Ueli getan. Von Natur aus nicht einer, der den ganzen Tag quatscht, machte er seinen Job, organisierte Disziplinenwechsel ausserhalb der hektischen Zonen und blieb vor allem bei meinem Augenzwischenfall immer ruhig, sachlich und lösungsorientiert, organisierte die Sanitäterin, begleitete mich ins Spital, ..., organisierte 2 Hefeweizenbier als Tröster, führte uns im Camper spätnachts nach bald 20-stündigem Arbeitstag nach Engelberg, ...
11. Juli 2010
Tag_2, shining sunday
...und zweitens sind wir ein Team. Keine hat das je so schön ausgedrückt wie Sabine in ihrem Bericht:
9.30 Uhr, gemütliches Aufstehen, Frühstück schmeckt auch besser als gestern, da keine Nervosität vorhanden…aber dieser wehmütige Gedanke, dass der Gigathlon heute ohne uns stattfindet, stört ein bisschen. Allerdings sind wir topmotiviert und fest entschlossen, auch diesen Tag zu geniessen…wäre ja gelacht, wenn wir ohne Gigathlon keinen Spass mehr hätten. Michis Auge geht es gut genug, dass seine Energie nicht nur fürs Schmerzen erdulden verbraucht wird und so erträgt er nicht nur den gutgemeinten Galgenhumor sondern setzt (wie wir ihn kennen) auch noch einen oben drauf. Wir brechen in Engelberg zu einer kurzen Wanderung in die schöne Bergwelt auf und supporten unseren Supporter, welcher zwar nicht über Bauchschmerzen jammert aber ganz offensichtlich darunter leidet. Zurück von der Wanderung wartet die nächste Disziplin auf uns: Giga-Puff aufräumen (erstaunlich wie schnell man so ein Chaos veranstaltet hat). Das Wetter entspricht ganz dem Gigathlon Motto von heute „Shining Sunday“ und da man ja in der prallen Mittagssonne aufpassen muss, flicken wir gemeinsam meine Store, damit es im Haus schön kühl und schattig bleibt…also statt „catch the sun“ heisst es nun einfach „catch the shade“J Ja, man kann nicht sagen, dass wir heute nicht erfolgreich gewesen wären, auch geredet haben wir viel (wie immer)…und Witze gerissen, die vielleicht nur wir selbst lustig finden. Wir waren draussen in der Natur, haben gegessen für vier und auch ohne Zeitplan ist alles schön aufgegangen. Einzig diese kleine Wehmut bleibt, nicht bis zum Ende mit dabei gewesen zu sein. Aber was heisst schon „bis zum Ende“? Ich für meinen Teil kann dazu nur sagen: es war trotzdem gut, richtig gut! Den Teamgeist spürt man umso mehr, wenn’s halt mal schief geht. Und mit diesem unschlagbaren Team, können’s wir ja auch ein andermal wieder laufen lassen wie am Schnürchen, wenn es wieder heisst: nach dem Gigathlon ist vor dem GigathlonJ!
10. Juli 2010
Tag_1, rising saturday
Was nützt die beste Planung, wenn dann alles anders kommt als gedacht? Oder wie es ein anderer gescheiter Kopf formuliert hat, „Planen ist der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum“. Aber erst einmal der Reihe nach: Um 02:45 erwache ich. Es ist kühl und ich bräuchte dringend eine Decke. Aber wozu auch? Ab 3 Uhr wird die Rumorerei eh losgehen. Weiterschlafen dürfte ich ja schon, noch 2 Stunden. Aber versuch es doch mal selber? Das wäre dann wie Ruhe bewahren mitten in einem ausfliegenden Bienenschwarm. Ich stehe also auf und begleite meine Partnerin zum Start. Um Punkt 5 Uhr wird der Gigathlon 2010, dessen Motto „Catch the Sun“ lautet mit dem Schlussakkord des Gigathlon-Songs „Vivere“ gestartet. Mir bleibt jetzt die Wartezeit bis zu meinem Start mit Frühstücken, Material packen und mich nach Langnau zu verschieben zu nutzen. Das letztere wird für mich fast zum Fiasko. Den Weg zum Bahnhof unterschätzend, erwische ich den Zug auf dem allerletzten Zwick. Dafür bin ich schon auf Betriebstemperatur….
In Langnau treffe ich Ueli, der sich einen genialen Platz unter einem Nussbaum direkt neben dem Infozelt von Swiss-Olympic gesichert hat. Dort stösst auch unser grösster Fan und inoffizieller „Hoffotograf“ Erich Brassel zu uns. Es ist wie immer in Wechselzonen: Die Warterei macht mich nervös. Noch nervöser als ohnehin schon. Der Wechsel klappt dann reibungslos. Ich fahre los, Richtung Schüpfheim, Sörenberg, Glaubenbielenpass, Lungern. Meine zurechtgelegte Taktik lautet, viel zu trinken und zu essen und das Tempo den nachfolgenden Anstrengungen anzupassen. Es läuft wie geschmiert, die Bergfahrt wird zum Kinderspiel. Ein Mitstreiter fragt mich, während ich an ihm vorbeiziehe, ob ich einen Motor eingebaut hätte, was ich mit „ja, den von Cancellara“ beantworte. Natürlich: Die Fahrer der Teams of 5 fahren an uns vorbei als ob sie einen Motor besässen. Aber die dürfen das auch. Für die ist in Interlaken Schluss für heute. In Lungern werde ich von unserem 2. Supporter Thomy empfangen. Habe ich mal gefragt, ob ich ihn erkennen würde? - Das hat er sich offenbar auch gefragt und schwenkt deshalb unsere Supporterweste wie eine Fahne! Aber auch sonst: Er hat an alles gedacht: Plastiksäckli an den Füssen und Händen erleichtern mir den Einstieg in den Neopren-Anzug. Trotzdem: Es ist ein hartes Stück Arbeit, bis der Anzug sitzt. Dann begleitet mich Thomy den ganzen weiten Weg zum Einstieg am See. Die Schwimmerei könnte ich nun ziemlich positiv abhacken. Ausser ein paar Anflügen von Wadenkrämpfen und einem brennenden Schmerz im rechten Auge habe ich wirklich das Gefühl, vorwärts zu kommen! Eine ganz neue Erfahrung für mich! Wieder am Ufer angelangt, von Thomy mit meinen Schuhen für den langen Marsch zurück zum Velo empfangen, haut mich die Mittagshitze fast um. Im 23° warmem Wasser, bekleidet mit einem gut isolierenden Neopren-Anzug gibt es für einen crawlenden Schwimmer keine Abkühlung!
Ich freue mich auf die abschliessende Velofahrt über den Brünig nach Interlaken! Nur: Die Freude wird getrübt. Erstens brennt das Auge immer noch und ich habe das Gefühl, die Linse sei zumindest teilweise trübe. Spülen nützt nichts. Zudem geht’s mir entlang dem Brienzersee immer schlechter. Ich muss „meine“ Gruppe ziehen lassen.
In der Wechselzone Interlaken versucht mich Ueli abzukühlen und zu verpflegen. Wegen dem Auge beschliessen wir, einen Sani beizuziehen. Nach kurzer Wartezeit trifft eine Sanitäterin ein, begutachtet mein Auge, spült es und meint, das müsse ein Fremdkörper sein, den sie aber nicht entfernen könne. Sie organisiert einen Arzt. Warten. Ungewissheit. Das Auge schmerzt intensiv. Endlich trifft der Medizinmann ein. Blicke ins Auge, Kopfschütteln. Beratung. Dann stehe ich vor der Entscheidung: Soll ich ein Schmerzmedi schlucken, nach Thun ins Etappenziel laufen und dann zum Augenarzt gehen oder gleich ins Krankenhaus? Dies bedeutet aber Aufgabe und Abbruch des Wettkampfs!?! Schweren Herzens entschliesse ich mich für eine sofortige Diagnose. Die Augen verstehen keinen Spass! Der Rest beinhaltet zwar noch einiges an Wartezeit, ist sonst aber schnell erzählt: Die Diagnose im Spital lautet auf eine partielle Beschädigung der Hornhaut. Ursache unbekannt. Für eine abschliessende Überprüfung der Diagnose werden wir beim Notfall-Augenarzt in Thun angemeldet, welcher die Diagnose bestätigt und mir versichert, die Verletzung sei in spätestens 3 Tagen verheilt. Ach ja: Ueli versuchte Sabine, die in Thun auf uns wartete, auf dem Laufenden zu halten und so treffen wir uns vor der Praxis des Augenarztes.
Zurück im Gigathlon-Gelände beschliessen wir, den Wettkampf nach dem Nachtessen zu verlassen. Die Luft ist draussen. Die Enttäuschung gross.
Ein paar Dinge müssen wir noch loswerden. Darum ist an dieser Stelle noch nicht Schluss.... weil, eben: Erstens sind wir ein Team und darum gibt hier im Folgenden Sabine ihre ganz persönlichen Eindrücke ihrer sportlichen Highlights wieder:
…und dann war Samstag. Das frühe Aufstehen war schon hart, aber lieber für den Gigathlon um halb vier aufstehen als fürs arbeiten um sechs Uhr (was jetzt nicht heissen soll, dass ich nicht gerne arbeiteJ). Das Frühstück war kein Genuss, aber wenn man weiss, dass man nachher ca.5 Stunden keine Zeit (und wahrscheinlich noch weniger Lust) zum Essen hat, dann müssen diese Brötchen einfach runter. Michi hat mich dann an den Start begleitet und versucht, mir einzureden, dass es hell sei, denn ich war ohne die vorgeschriebene Stirnlampe unterwegs und konnte somit meine Nervosität bestens auf ein Problem richten, welches sich nun auch nicht mehr lösen liess. Als dann am Start die Gigathlon Melodie „vivere“ erklang, wusste ich einmal mehr, wieso ich nun schon zum dritten Mal in Folge am Gigathlon starte…es ist dieses Gefühl…von Freiheit, Abenteuer, an nichts anderes zu denken, als mitzugehen, weiterzufahren, anzukommen…Die ersten 5 km dienten dem Einrollen, so dass sich jeder seinen Platz im Feld suchen konnte. Die vielen kleinen und grösseren Steigungen und Abfahrten machten die Strecke abwechslungsreich und verhalfen zur nötigen Konzentration, die man beim „Zügli-Fahren“ braucht…denn der Zug fährt ja bekanntlich schnellJ. Ich habe auf jeden Fall auf den ganzen 39km gute und schnelle Zügli gefunden, in welchen man auch ganz selbstverständlich aufeinander Rücksicht genommen hat in den kurvigen Passagen und Abfahrten. Ein grosses Rätsel war mir, dass mein Kopf schon morgens um kurz nach fünf Uhr zu Überhitzen drohte, aber je näher wir Langnau kamen, desto kühler wurde die Luft und auch mein Kopf klarte auf…In der Wechselzone fragte Ueli, was ich essen möchte, und obwohl meine Antwort „gar nichts“ hiess, drückte er mir ein Brötli in die Hand…und ich zweifelte keine Sekunde daran, dass dies langfristig die bessere Alternative war.
Die Bikestrecke war super! Wunderschöne Aussicht auf die Berner Alpen, einige wirklich coole Singletrails und holprige Schotterpisten, ein paar nette Wortwechsel mit anderen Gigathleten und nach jedem grösseren Aufstieg ein Verpflegungsposten mit freundlicher „Bedienung“. Zwischendurch gab’s auch die ein oder andere kurze Schiebepassage. Vielleicht wäre es aus taktischen Gründen (Kraft sparen) vernünftig gewesen, etwas öfter abzusteigen, aber mein Ehrgefühl siegte über die Vernunft…zumindest beim Aufstieg! Auch über meine Beine konnte ich nicht klagen, die zeigten sich eigentlich in recht guter Form. Nach etwas weniger als 3 Stunden auf dem Bike und 4.5 Std. insgesamt kam das Ziel Langnau in Sicht, und ich trat noch einmal kräftig in die Pedale, mit dem Wissen, dass ich heute schon morgens um halb zehn meinem sportlichen „Feierabend“ entgegenrollte.
9. Juli 2010
Vorhang auf, der Spass beginnt! Feierabend- und Gigathlonverkehr sind zuviel für die Autobahn. Stau vor Thun. Der Rest jedoch verläuft dann reibungslos. Check in, Nachtessen, Small Talk mit alten und jungen Bekannten. Man trifft sich! Bevor’s in Thun jedoch zum grossen Klassentreffen kommt, mussten Sabines Bike und mein Rennvelo in Langnau in der ersten Wechselzone abgegeben werden. Dort empfangen wir Ueli, unseren Supporter. Auf den zweiten Supporter, der eigentlich vorgeschrieben wäre, verzichten wir. Sabine hat mit einer ihrer Freundinnen, die selber in einem Couple-Team teilnimmt einen Deal gemacht. Einen ziemlich einseitigen zwar, wir haben ja eigentlich nichts zu bieten, aber nichts desto trotz.
Unser Camper steht ziemlich weit draussen auf der Allmend. Nachteil: Weite Wege. Alle haben schon irgend mal daran gedacht, ein Kickboard mitzunehmen, aber niemand hat’s dann auch gemacht. Also nehmen wir die Füsse unter die Arme. Der Vorteil der peripheren Lage ist aber sicher die Ruhe: Keine nervigen Lautsprecherdurchsagen, keine über Zeltschnüre stolpernden und plappernden Nachbarn, keine Toi-Toi-Anlagen vor der Haustüre. Nur das konstante Rauschen der Autobahn. Trotzdem wird die Nacht kurz. Zum einen ist es heiss und stickig im Camper, zum anderen muss Ueli am Samstag bereits um 3 aus den „Federn“, Frühstück und Lunchpaket holen und um halb 5 den Zug nach Langnau erwischen. Ja, die Hitze schlägt sich offenbar auch ziemlich negativ auf unsere Denkleistung nieder. Bis der „fremde“ Supporter endlich alle meine Utensilien für den Doppelwechsel Rennrad – Schwimmen – Rennrad hat, müssen wir den Weg ins Zeltlager bestimmt drei Mal unter die Füsse beziehungsweise das Rad nehmen. Ob damit an alles gedacht ist? Werde ich unseren Supporter nach der Überquerung des Glaubenbielenpasses noch kennen?
8. Juli 2010
Gestern konnte ich "unseren" Camper für das kommende Weekend in Empfang nehmen. Cooles Gefühl! Wir steigen damit geradewegs in die Luxusklasse auf! Geplant waren die Übernachtungen im Zelt und/oder in dem Lieferwagen, der bereits 2007 unser "Castle" war. Auf dem Arbeitsweg über Zweibruggen/Hauteten mit dem Bike sah ich frühmorgens jeweils diesen Camper friedlich vor einer Garage vor sich hin dümpeln. Nun ja, wer nicht fragt... Irgend wann habe ich dann halt - und bekam eine positive Antwort!
Und sonst: Ich habe begonnen, mir im Kopf Listen zu erstellen mit Material und anderem, das wir mitnehmen müssen. Es geht ja um die reinste Materialschlacht, und dabei meine ich nicht mal irgendwelche teuren Rennräder oder Bikes sondern nur das ganz Alltägliche, das wir einfach brauchen: Von Zahnbürste (nicht wichtig, kann ich überall kaufen) bis Athletenerklärung, vom Teamcapitän unterschrieben (auch nicht wichtig, gibt sicher eine neue am Start), Wettkampfunterlagen (ziemlich wichtig!), Rennvelo, Bike, die entsprechende Schuhe, Laufschuhe, alle möglichen Funktionsklamotten, Neopren, Schwimm- und Sonnenbrille, Sonnecrème, Capes, Helm, ...
Es einfach ein beschissenes Gefühl, am Samstagmorgen um 5 Uhr am Start zu stehen und dann fällt mir ein, das/den/die .... vergessen zu haben.
My home is my castle
4. Juli 2010
Zum Abschluss meiner Trainigsphase bestritt ich am Freitagabend das allererste Mal den Hundwilerhöhelauf. In den frühen Morgenstunden stand zwar noch Schwimmen auf dem Programm, den Arbeitsweg habe ich selbstredend mit dem Bike bewältigt. Den Lauf kann ich in guter Erinnerung behalten. Nach einem langsamen Start kam ich immer besser in Fahrt - oder Lauf - und konnte bis Hundwil zahlreiche Läuferinnen und Läufer ein- und überholen. Am Schluss fehlte dann zwar noch einiges - zu gerne hätte ich die Gruppe vor mir - mit Christina Salanitri - auch noch eingeholt. Aber eben. Hauptsache gesund. Die Resultate findest du unter www.hundwilerhoehelauf.ch.
Und jetzt? Ein paar Kleinigkeiten gibt es noch zu organisieren, der Trainingsaufwand auf den Erholungsmodus zurückzufahren, aufkeimende Nervosität bereits im Ansatz (durch Arbeit?) ersticken und überhaupt: Meine anderen Aktivitäten bedürfen der dringenden Nachholarbeit! Zu den erwähnten Kleinigkeiten gehört natürlich das Material. Die Velos zum Beispiel. Ein bisschen Tuningarbeit ;-). Dreck weg, spart Energie. Schaltung richtig justiert, spart auch Energie. Bremsen richtig eingestellt, rettet Leben. Laufräder zentriert und Pneus, sofern nötig ersetzt, spart Energie und Zeit.
So freue ich mich auf die nächste Woche. Habe ich mich nervös geschrieben?
27. Juni 2010
Endlich Sommer! Noch vor einer Woche, am Thurathlon, schlotterten selbst die Hunde - und jetzt liegen sie im Schatten. In der Schweiz hat das Fussballfieber hoffentlich etwas nachgelassen; das ist nicht mal so schlecht, es gibt mehr Platz für den Gigathlon. Und der ist für mich schon fast spürbar. Liegt es daran, dass ich mich, gemessen an meinem Trainingsumfang so schlecht fühle? Wobei das mit dem Trainingsumfang ist ziemlich relativ und vor allem praktisch gleich wie im Vorjahr. Nur anders auf die Disziplinen verteilt. Insgesamt war ich seit Beginn des Jahres 183 Stunden unterwegs. Schwimmend, Inlines skatend, langlaufend, Gymnastik treibend, bikend, laufend und Rennvelo fahrend. Das gibt pro Tag etwa 1 Stunde. Ist das viel? Andere verbringen diese Zeit vor dem Fernseher oder am Stammtisch. Aber das Gefühl ist trotz allem schlecht. Da kann mich die Steigerung von der Engelbergertal-Trophy zum Thurathlon noch nicht wirklich erfreuen. Aber es bleibt ja nochmals ein Testwettkampf, nächsten Freitagabend. Der Hundwilerhöhelauf, den ich das allereste Mal bestreiten werde.
23. Juni 2010
Fragen während des Trainings: Fahren Autofahrer mit Fähnchen an ihrem Fahrzeug generell schneller und rücksichtsloser als solche ohne Schmuck? Macht Fussball-WM schauen aggressiv? Weshalb verkehren auf unseren Strassen dermassen viele allradangetriebene Fahrzeuge, wo doch auch im schlimmsten Winter schon um halb Sieben in der Früh praktisch jede Strasse schwarz geräumt ist? Soll ich die Auto-Werber und -verkäufer beglückwünschen zu ihrem Erfolg? Sind an den vielen Unfällen mit Velofahrerbeteiligung grundsätzlich die Velofahrer schuld? Wo sind die signalisierten Bikerouten in Herisau? Belasten Sportler das Klima nachhaltig negativ, durch ihren erhöhten Stoffwechsel und somit höherem CO2-Ausstoss? Wen trifft mehr Schuld an der Ölkatastrophe im Golf von Mejico: Transocean als Betreiberin der Bohrplattform, BP als Auftraggeber, das Covernment der USA (aus welchem Grund schon wieder?) oder wir alle, wir Konsumenten? Müssen Strassenränder wöchentlich gereinigt werden, so dass zwar im Sommer auf der Strasse, jedoch nicht auf dem Trottoir barfuss gegangen werden kann, ohne sich die Füsse zu verletzen? Wie kann ich am TV ein Schweizer WM-Spiel verfolgen ohne mich über Sascha Rufers Radioreportage zu ärgern? - Ton aus am TV-Gerät, Radio einschalten, DRS 3 wählen. Spielt es eine Rolle, welche Nation (???) Fussballweltmeister wird? - Ja! Am liebsten ein Land, bei dessen Sieg keine hupende und fahnenschwenkende Autokorsi durch unsere Dörfer und Städte brausen! Und die Moral von der Geschichte? Fussballfragen kann ich beantworten.
21. Juni 2010
Alles gut gegangen, gestern! Nach gut zehn Stunden waren wir im Ziel. Und das, obwohl ich mich ziemlich weit auf die Äste hinaus gewagt habe auf der Radstrecke. Tempomässig. Gut zu wissen, dass ich nach einem Effort einfach Tempo zurücknehmen, einen Windschatten suchen und mich verpflegen kann, bis es wieder einigermassen geht. Gut zu wissen, dass ich mit meinen 2 Leidensgenossen noch etwa 5 Zusatzkilometer absolviert habe und mich nicht nerven musste; weil ein Streckenposten gerade nicht an seinem Arbeitsplatz war, haben wir eine Abzweigung verpasst und sind dann von Frauenfeld einen Umweg über Bonau, Wigoltigen nach Steckborn gefahren und nicht via Pfyn. Die Radstrecke war allerdings sehr anspruchsvoll. Um ja nicht auf Hauptachsen fahren zu müssen, führte die Strecke von Abzweigung zu Abzweigung, über jeden Hill und durch jedes Tobel. Vor allem die Quartierstrassen mit ihren zahlreichen unübersichtlichen Ausfahrten sind eine beträchtliche Gefahrenquelle. Ob sich das der Verantwortliche der Thurgauer Kantonspolizei auch mal überlegt hat? Ach ja, einer aus unserer Gruppe ist dann tatsächlich in einem steil abfallenden Waldstück aus einer Linkskurve rausgedonnert. Glücklicherweise gab's keinen grösseren Schaden. Schön war wieder einmal: Die ganze Gruppe hat gewartet und dem Pechvogel Hilfe angeboten.
Über meine Schwimmkünste und Benis Leistungen lassen wir die Rangliste sprechen: http://www.thurathlon.ch/55.0.html.
Die Bikestrecke verdiente diesen Namen eigentlich nicht. Ausser viel Schlamm hat sie nichts wirklich Anspruchsvolles geboten. Teer- und Kieswege, viele Richtungsänderungen, die ideale Strecke für eine Familienbiketour. Bei schönem Wetter.
Thurathlon 2010, Bild: Patrik Hugeshofer
Während ich mich nach über 7 Stunden auf Rennrad und Bike auf's Duschen freue, begibt sich Beni auf die abschliessende 18 km-Laufstrecke.
19. Juni 2010
Da habe ich doch meinen Eintrag vom 15. Juni versehentlich gelöscht und nirgends eine Kopie hinterlegt. Hinterwäldler! Gut, soo wichtig war der ja sicher nicht, vergessen wir's.
Morgen gilt es zum zweiten und vorletzten Mal vor dem Gigathlon ernst. Nebst voraussichtlich obermiesem Wetter und früher Tagwache erwartet mich und der mich zum Couple ergänzende Beni Sonderegger der in diesem Jahr zum ersten Mal zur Durchführung gelangende Thurathlon. Start um 06:00 Uhr in Romanshorn, die herrschende Wassertemperatur von ca. 15°C hat bereits zu einer Steckenverkürzung auf 1 km Schwimmen geführt. Von derart kaltem Wasser habe ich bisher höchstens gelesen.... Wenn ich's also überleben sollte, wird Beni die anschliessenden 27 km auf schnellen Rollen nach Weinfelden skaten, wo ich dann die folgenden 180 mit Rennrad und Bike durch Wasser und Morast pflügen werde. Beni wird zum Dessert den Zeitnahmechip nach einem 18 km-Lauf ins Ziel bringen. Immer unter der Voraussetzung, dass ich wirklich weder erfroren noch ersoffen bin. Das erste Mal in meiner Geschichte mit dem Gigathlon komme ich zu einem richtigen Härtetest im Vorfeld und kann unter Wettkampfbedingungen testen, was am 2. Juliwochenende auf uns zukommen könnte.
11. Juni 2010
Das musste ja so kommen! Einmal Gigathlon, immer Gigathlon. Ist dieses Suchtmittel bei der Erarbeitung und den diversen Revisionen des Betäubungsmittelgesetzes vergessen gegangen? Im Normalfall versucht der Gesetzgeber ja, unsere kleinen Freuden und Vergnügen mit System zu verhindern (Schnelles Auto- oder Motorradfahren, Nacktwandern --> AI!, Banken überfallen, Boni kassieren, ....). In dem Bereich gäbe es noch einiges nachzuholen!
Jetzt ist es aber definitv so, dass gewisse Vergnügen sauer und im Schweisse des Angesichtes verdient werden müssen. Ich denke da an einen ganz speziellen Samstag anfang Juli. "Rising Saturday" nennt sich dieser Tag und da wartet ein Programm auf uns, das sich gewaschen hat. Näheres unter http://www.gigathlon.ch/desktopdefault.aspx/tabid-3654/ Wenn wir dieses Pensum bewältigt haben, können wir den Sonntag wahrlich scheinen lassen. Aber bis dahin bleibt noch fast ein Monat. Und diese Zeit werde ich nutzen! Schwimmen, Laufen, Biken, Rennrad fahren. Oder umgekehrt.



